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Das 19. Jahrhundert

Ein genereller Boom des Vorlagendrucks mit Schablonen ist, sofern die Zeitleiste der Geschichte des Druckens in Betracht gezogen wird, Mitte des 19. Jahrhunderts feststellbar: Ab der Entdeckung der Chromolithographie (farbiger Steindruck, 1837) überschlägt sich das Aufkommen der verschiedenen drucktechnischen Innovationen.1

Interessant und wegweisend für die Technik der Risographie ist hierbei die Entdeckung der Mimeographie im späten 19. Jahrhundert, da auch hier eine Schablone als Bildübertragungsmedium genutzt wurde, die aus gewachstem Maulbeerpapier hergestellt wurde.2 Daraus wurde etwas später ein immersionsbeschichtetes Langfaserpapier weiterentwickelt, wobei die beschichtete Seite aus einer plastifizierten Nitrozellulose (also eine an das Langfaserpapier gebundene Lackschicht) bestand. Diese Schablone wurde um die tintengefüllte Trommel des Mimeographen gelegt und danach ein Blatt zwischen rotierender Trommel und Druckwalze befördert, um das Papier durch die manuell geritzten Löcher der Schablone mit Farbe zu benetzen. Druckvorlagen wurden daraufhin z. B. durch einen Schablonenersteller mit einer Schreibmaschine hergestellt, wobei das Farbband nach oben gehoben werden konnte, die Schrifttypen beim Anschlag direkt auf die Schablone trafen und die Beschichtung so beschädigten, dass sie farbdurchlässig wurde. Darüber hinaus wurden spezielle Stifte auf der Schablone verwendet um Schriftzüge oder Illustration von Hand in das Papier zu kratzen.

Fehler konnten korrigiert werden, indem sie mit einer speziell formulierten Korrekturflüssigkeit ausgebürstet wurden, das Papier wurde getrocknet, bevor es verwendet werden konnte. Schablonen wurden später auch mit einem thermischen Verfahren hergestellt; noch ein wenig später wurden auch Systeme mit Infrarot-Verfahren ähnlich dem von frühen Fotokopierern oder Maschinen wie z. B. dem Thermofax eingesetzt und sind als Fortführung dieser Entwicklungen zu betrachten.3 Neben dem Begriff der Mimeographie etablierten sich auch Geräte mit Bezeichnungen wie Hektographen4 (von altgriechisch hekatón, deutsch „hundert“ und altgriechisch gráphein, „deutsch‚ einritzen, schreiben“, wörtlich „Hundertschreibung“, frei übersetzt „Verhundertfachung“), Matrizendrucker, Spiritusdrucker oder Blaudrucker5.