Einführung

Diese Einführung gibt einen kurzen Abriss über das Druckverfahren der Risographie. Die Risographie ist ein digitales Duplikationsdruckverfahren, dass für den Druck höherer Kleinauflagen ausgelegt ist und besonders umweltfreundlich und energiesparend daher kommt.

Wortherkunft

Das Wort Risographie ist ein Wortzusammenschluss, die erste Silbe Riso bedeutet ideal1 (逤萭 aus dem Japanischen, n.; Hochziel), die zweite Silbe Graphie2 (-‬graph aus dem Griechischen n., graphē oder graphía) bedeutet „schreiben, zeichnen“. Frei übersetzt ist ein Risograph also der „ideale Drucker“.

Geräte und Verbrauchsmaterial

Risographen sind, von außen betrachtet, den Abmessungen eines Fotokopierers oder Digitaldruckgeräts ähnlich, dabei existieren keine Tabletop-Maschinen für den Hausgebrauch. Eine übliche Maschine der MZ-Serie nimmt gelagert 1010  ×  725  ×  730 mm Platz3 in Anspruch und wiegt 168 kg. Sofern Komponenten wie Papiereinzug und -auswurf ausgeklappt werden, nimmt der Drucker etwa 1600  mm in der Breite in Anspruch. Um einen Risographen ordnungsgemäß zu betreiben wird Verbrauchsmaterial in Form von Tinten in Farbkartuschen und Masterfolie auf einer Rolle benötigt.

Druckverfahren

Mittels belichteter Schablonen wird eine Positivkopie einer Vorlage angefertigt. Zwar scheint das Druckverfahren dem Siebdruck am Ähnlichsten, durch seine Charaktereigenschaft Auflagen zu produzieren ist es auch dem Offsetdruck zuzuordnen. Da der Risograph aber auch ohne größere Aufwendungen ein Unikat produzieren kann, sollte die Risographie schlussendlich dem Digitaldruck zugeordnet werden.

Auf den ersten Blick und durch die Tatsache, dass eine Druckvorlage angefertigt wird, ähnelt es am wohl Meisten dem Siebdruckverfahren, allerdings mit dem Vorteil, dass eine Vorlage für die risographische Reproduktion (eine sogenannte Masterfolie bestehend aus Polyesterharzfilm auf Papier, die thermografisch belichtet wird) leichter erstellt und schneller gedruckt ist. Während selbst im industriellen Siebdruck einige zeitintensivere Arbeitsschritte befolgt werden müssen (das Erstellen eines Films, die Beschichtung des zu verwendenden Siebes, die Belichtung des Siebes, das Auswaschen und letztendlich das Einrichten am Drucktisch), so braucht der geschulte Anwender beim Risograph von der Erstellung einer Druck-PDF bis zum Druckbeginn nur etwa 5 Minuten.

Der thermisch belichtete Master wird dann vollautomatisch auf der Drucktrommel des Risographen befestigt und mit Tinte aus der sich in der Trommel befindlichen Patrone benetzt.

Geschwindigkeit

Die Blätter werden in sehr rascher Geschwindigkeit mit bis zu 150 Seiten / Minute eingezogen und jeweils mit dem Abbild der belichteten Masterfolie in einem Rotationsverfahren positiv bedruckt, je nach vorliegendem Druckermodell werden dann entweder eine oder sogar zwei Farben in einem Druckgang abgebildet.

1 Risograph MZ 770 E, geschlossen mit ausgeklapptem Papierein- und auswurf
2 Farbtrommeln des Risographen, ausgefahren
3 Masterherstellungseinheit

Vorteile

Während ein handelsüblicher Laserdrucker in fünf Minuten etwa 100 Seiten druckt, so kann der Risograph MZ 1070 bis zu 900 Seiten
in derselben Zeit drucken. Darüber hinaus nutzt der Risograph „echte“, in ihrer Leuchtkraft wesentlich intensivere Tinte in verschiedensten Sonderfarben um ein Motiv zu reproduzieren, demnach können Druckgänge mit zwei von über 20 standarisierten4, bzw. 50 auf Sonderwunsch bestellbaren Farben auf Formate bis A4 oder A3 durchgeführt werden. Seit 2014 ist sogar ein Risodrucker mit dem maximalen Druckbereich von DIN A2 erhältlich. Die Drucke können bei normalen Geräten auf Papieren bis 210 g / m2 angefertigt werden, beim exotischen RISO A2 ist dies bis 120 g / m25 möglich.

Die Risographie ist viel umweltfreundlicher als andere Drucktechniken. Riso-Tinte besteht aus Sojaöl, diese Tinten enthalten niedrigere Mengen an flüchtigen organischen Verbindungen, und die Verwendung von ihnen führt zu niedrigeren Mengen an Luftverschmutzung aus toxischen Emissionen erzeugt werden6, das macht sie gesundheitlich viel verträglicher. Dies alles führt dazu, dass Riso-Drucke ein einzigartiges Aussehen aufweisen, was sich durch die Besonderheit dieser benutzten Farbe, dem satten Farbauftrag und dem interessantem Druckbild von anderen Druckverfahren klar unterscheidet. Hierbei muss nicht auf die Vierfarb-Euroskala zurückgegriffen werden, um Sekundär- oder Tertiärfarben zu erreichen. Stattdessen wird die Farbpalette des Herstellers verwendet um mit den jeweiligen Farbäquivalente der Farbpalette die gewünschten Farbtöne zu reproduzieren. Ab einer Druckauflage von 15 Stück ist der Risograph günstiger als ein Laser- oder Tintenstrahldrucker.7

In den letzten Jahren wurde die Risographie bei Künstlern und Designern aus aller Welt sehr beliebt, ja regelrecht „gehypt“, was nicht nur an Farben, sondern auch am ökologischen Aspekt des Druckverfahrens liegt. Immer mehr künstlerisch tätige Personen benutzen das Verfahren der Risographie dazu, Projekte und Editionen verschiedenster Art zu veröffentlichen. Ist die Masterfolie einmalig erstellt, können jegliche Motive schnell und einfach vervielfältigt werden. Sofern ein bibliophiler Ansatz verfolgt wird und ein Projekt für offenfaseriges, ungestrichenes Papier geeignet ist, so scheint der Risograph die richtige Wahl um künstlerische Arbeit in Kleinauflagen bis 1000 Stück zu reproduzieren.

Neben der Schnelligkeit dieses Druckverfahrens, können sehr viele im Prozess wichtigen Faktoren (wie etwa Rasterung, Rasterwinkel oder Farben) selbst bestimmt und beeinflusst werden, was einen experimentellen Eingriff in den Auflagendruck ermöglicht. So ist es nicht nur möglich, die Druckvorlage mittels PDF-Datei durch eine USB-Verbindung an die Druckmaschine zu senden. Alle modernen Risographen besitzen die Möglichkeit, Druckbilder durch die Scanauflage zu reproduzieren. Egal ob eine Datei vom Computer abgeschickt oder eine Skizze durch den Scanner eingeladen wird, eigentlich wird immer die glatte und perfekte Ästhetik einer Datei sowie die Homogenität digitaler Druckerzeugnisse verlassen um den Charakter der Maschine zu entfalten.

Im Gegenzug kann der Anwender bewusst eine meist raue, manchmal dreckige und vor allem handwerkliche Schönheit erreichen: Nicht selten gibt es leichte Passerungenauigkeiten zwischen den Farbauszügen oder die Einzugsrädchen reiben die Farbe über den frisch bedruckten Bogen und tragen ihr Übriges zum Aussehen eines risographisch bedruckten Bogens bei. Dazu bietet der Drucker sowie das Verfahren eine Vielzahl von Feinheiten im Tuning. Dem Individualisten stehen damit unzählige, nicht fest vorgegebene Anwendungen zur Verfügung. Bislang gehören Benutzer von Risographen noch einem kleinen exklusiven Nutzerkreis an, der eine Grazie des Selbstgemachten verfolgt. Dies ist das Surplus dieser wachsenden Bewegung.

Durch die geringen Anschaffungskosten von Geräten, Masterfolien und Farben ist es durchaus nachvollziehbar, dass Künstler, Designstudios und kleine Verlage am Risograph selbst publizieren möchten, eine Anwenderschaft die über die vom Hersteller in Japan angedachte hinausgeht. Denn eigentlich richten sich die Matrizendrucker vornehmlich an Schulen, Kirchen oder parteiliche Organisationen. Durch die umfangreichere Luftfeuchtigkeitstoleranz von 40 – 70 %8 können die Geräte auch in Umgebungen benutzt werden, die für einen Laserdrucker ungeeignet sind9, eine Verwendung in klimatisch schwierigeren Bedingungen ist nicht unüblich.

Nachteile

Allerdings hat die Risographie auch Nachteile: Die Farben werden nicht wie beim Digitaldruck nach Auftrag des Toners durch Wärme fixiert10, je nach Farbauftrag können die Farben unter Umständen nie trocknen, außerdem mag das Druckbild, im Vergleich zu einem Tintenstrahl- oder Digitaldruck (mit vier oder fünf Farben), sehr grob erscheinen, was die Drucke für feine Anwendungen mit sehr feinen Rastern sehr ungeeignet macht. Wie bereits erwähnt ist der Riso nicht imstande hundertprozentige Duplikate eines Druckbildes erzeugen, die gedruckten Motive sehen in jedem Exemplar ein wenig anders aus, was dem Ganzen einen coexistenziellen Charme zwischen zeitgemäßem Do-it-yourself-Aussehen und Vintage-Appeal verschafft, was, je nach Anwendungsfeld Chance und Nachteil bedeuten kann.

Leider steht dem das aufkommende Gefühl gegenüber, dass Matrizendrucker wie Mimeographen und Risographen so langsam obsolet werden. Ein Gespräch mit mehreren Händlern von Risographen für den deutschsprachigen Raum ergab, dass die hier angesprochenen Matrizenmaschinen nach auslaufenden Rahmenverträgen durch neuwertigere Maschinen ersetzt werden: Der Hersteller setzt seit 2009 neben den Digitalduplikatoren auch auf den ComColor-Standard: Diesen Maschinen, die dem mehrfarbigen Tonersystem eines Digitaldruckers ähneln, sollen deshalb keinerlei weitere Betrachtung geschenkt werden.

Im weiteren Verlauf soll auf diverse Aspekte des Verfahrens hingewiesen, Hilfestellung zur Anfertigung von Druckvorlagen gegeben, Einsicht in die Erstellung von Farbseparationen gewährt werden, den richtigen Bedruckstoff erläutern und Tipps für Druck und Verarbeitung anbieten. Begleitend zu diesen Texten findet sich in der Mitte der Publikation eine umfangreiche, eigenständige Broschüre, die mittels Testdrucken auf Eigenheiten des Druckbildes und der Farbe eingeht.

  1. Google Übersetzer, https://translate.google.de/#de/ja/ideal, abgerufen am 29. März 2017
  2. -graphie, aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie, https://de.wikipedia.org/wiki/-graphie,
    abgerufen am 29. März 2017
  3. Handbuch des Risographen MZ 770, S. 255, 2005, Riso Europe, London
  4. https://www.risoprinter.de/sites/default/files/downloads/manuals/Sicherheitsdatenblatt_RISO%20SOYINK%20COLOR.pdf, abgerufen am 13. Februar 2017
  5. RISO A2 SPECIFICATIONS, https://www.riso.co.jp/english/product/a2/specifications.html, abgerufen am 22. April 2017
  6. Risomania, The New Spirit Of Printing, 2017, S. 10
  7. Stephanie Seematter, „Risographie – Die Ideale Drucktechnik?“, 2014, Zürich, S. 23
  8. Handbuch des Risographen MZ 770, S. 11, 2005, Riso Europe, London
  9. Papiere und das richtige Raumklima beim Bedrucken, http://www.papier-und-mehr.de/druckerpapiere/wissenswertes/druckerpapiere_und_das_raumklima.html, abgerufen am 28. Februar 2017